Am Freitag, 4. März, fanden in beiden Gebäuden von Memorial Hausdurchsuchungen statt, die etliche Stunden bis tief in die Nacht andauerten.

Eine weitere Haussuchung fand in der Partnerorganisation von Memorial – Grazhdanskoe sodejstvie – (Bürgerunterstützung, der von Svetlana Gannuschkina geleiteten Organisation, die Flüchtlinge betreut) statt. Diese wurde nach mehreren Stunden beendet und wurde damit begründet, dass gegen einen ehemaligen Mitarbeiter dieser Organisation – Bachrom Chamroev - Ermittlungen eingeleitet worden seien. Chamroev ist Mitglied des Menschenrechtszentrums Memorial und wurde vor einigen Tagen verhaftet. Hier wurde die Durchsuchung nach einigen Stunden beendet, beschlagnahmt wurden Server und Festplatten.

Im älteren der beiden Memorial-Gebäude (Malyj karetnyj pereulok), in dem u. a. Memorial Moskau seinen Sitz hat und die Mitarbeiter des polnischen Programms (Katyn, Mednoe) ihre Büros haben, endete die Aktion am späten Abend. Mitarbeiter waren nicht hineingelassen worden. Nach einiger Zeit brachte die OMON Spezialgerät (u. a. eine Schleifmaschine) ins Haus.

Die Räumlichkeiten wurden in verwüstetem Zustand hinterlassen. Das Safe war aufgebrochen worden. Nach einem Schlüssel zu fragen, hatte man nicht für nötig gehalten. Es wurden zahlreiche Kartons mit Unterlagen abgeschleppt, worum es sich im Einzelnen handelt, ist noch unklar.

 

Foto: Lejla Nepesova

Ähnlich verhält es sich bei dem anderen Gebäude, dem Sitz des in Auflösung befindlichen Dachverbands Memorial International sowie des Menschenrechtszentrums. Hier endete die Durchsuchung kurz nach halb zwei Moskauer Zeit (begonnen hatte sie gegen 10 Uhr). Anwälten wurde in allen Fällen der Zugang ins Gebäude verwehrt, ebenso den beiden Vorsitzenden der Organisationen Jan Raczynski und Alexander Tscherkassov. An der Durchsuchung beteiligt waren zahlreiche schwarz gekleidete und fast vollständig maskierte Männer (nur die Augen waren zu sehen) und OMON-Angehörige.

Die fünf Mitarbeiterinnen und der Wachmann, die sich in den Büroräumen befanden (Karetnyj rjad), durften das Haus bis zum Schluss nicht verlassen. Andere Mitarbeiter und Unterstützer harrten bis zum Ende bei klirrender Kälte vor dem Gebäude aus.

Auch hier wurde eine unübersehbare Menge von Kartons mit Unterlagen und möglicherweise Computern wurde abgeschleppt, mit dem sichtlichen Bemühen, vor den Augenzeugen zu verbergen, was alles verladen wurde (die Fahrzeuge waren dicht an den Hauseingang herangefahren, an einem fehlten zeitweilig die Kennzeichen).

Die Täter hinterließen eine bezeichnende Signatur - ein Z - das Kennzeichen der russischen Panzer, die im derzeitigen Krieg gegen die Ukraine zum Einsatz kommen.

Foto: Alexandra Polivanova

5. März 2022

 

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