Die von Svetlana Gannuschkina geleitete Flüchtlingshilfsorganisation „Grazhdanskoe Sodejstvie“ [Bürgerhilfe] ist vom Ressort für Städtische Liegenschaften der Stadt Moskau schriftlich aufgefordert worden, ihre Räumlichkeiten binnen 40 Tagen zu verlassen.

Es folgt die Erklärung der Organisation dazu.

Das Komitee „Grazhdanskoe Sodejstvie“ wird aufgefordert, die Räumlichkeiten, in denen die Menschenrechtsaktivisten kostenlos Sprechstunden für Flüchtlinge und Migranten durchführen, zu verlassen. Das Ressort für Städtische Liegenschaften der Stadt Moskau hat den 2011 abgeschlossenen Mietvertrag mit unserer gemeinnützigen Organisation aufgelöst. Das Komitee hat 40 Tage Zeit, um die Räumlichkeiten am Olimpijskij Prospekt 22 zu verlassen. Wir konnten unsere Räume [laut Vertrag] unbefristet nutzen, solange „keine Einwände des Vermieters“ vorlagen. Wir wissen nicht, welche Einwände das Ressort für Liegenschaften erhebt. Die Beamten drohen uns damit, Kosten und Schadensersatz geltend zu machen, sollten wir nicht fristgemäß ausziehen. 

Unsere Räumlichkeiten sind nicht einfach nur ein Büro: Wir haben eine ärztliche Zulassung und sind mit einem Untersuchungszimmer für Flüchtlinge und Migranten ausgestattet, es gibt einen Raum für Sprechstunden von Sozialarbeitern und einen separaten Raum für juristische Beratung. Für den Fall, dass ein Antragsteller ein privates Gespräch wünscht, haben wir ein Besprechungszimmer. Darüber hinaus ist der Olimpijskij Prospekt 22 unsere juristische Adresse, wo Antworten der staatlichen Behörden über das Schicksal unserer Schützlinge eingehen. 

Wir wissen nicht, was wir tun sollen, wenn wir auf die Straße gesetzt werden. Wir wissen nicht, wie wir dann Flüchtlinge empfangen sollen. Wir wissen nicht, wie wir Migranten dann medizinische und psychologische Hilfe leisten sollen. Ja, wir führen Beratungen häufig online durch. Aber Sprechstunden ausschließlich auf Distanz sind unmöglich. Wie soll man einen Flüchtling mit einem Telefon in der Hand ohne Kamera bitten, die Geburtsurkunden seiner Kinder zu vorzuzeigen? Wie soll man Sicherheit in der Kommunikation gewährleisten? Wir müssen den Menschen persönlich sehen, seine Dokumente anschauen und keine Scans. 

Wir sind fassungslos über diese Forderung. Wenn Sie uns unterstützen wollen, dann erzählen Sie von unserer Räumung Ihren Freunden und Verwandten und in Ihren sozialen Netzwerken. Unterstützung durch Information ist jetzt für uns sehr wichtig. 

Im Jahr 2021 haben wir 6433 Beratungen für Flüchtlinge, Staatenlose, Migranten und Binnenflüchtlinge durchgeführt. Ohne Räumlichkeiten wird unsere Hilfe unmöglich. In einem Monat, eher früher, müssen wir neue Räume anmieten. Wenn Sie uns helfen möchten, die Miete zu bezahlen, dann füllen Sie ein Spendenformular auf unserer Website aus. 

„'Grashdzanskoe Sodejstvie' wird kämpfen“, erklärt die Vorsitzende unseres Komitees Svetlana Gannuschkina.

29. Dezember 2021/13. Januar 2022

 

 

 

Copyright © 2022 memorial.de. Alle Rechte vorbehalten.
MEMORIAL Deutschland e.V. · Haus der Demokratie und Menschenrechte · Greifswalder Straße 4 · 10405 Berlin
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
Back to Top