Über Grenzen hinweg: Tschetschenische Diaspora im Dialog

In der jüngsten Vergangenheit nehmen Berichte über islamistisch radikalisierte Tschetschenen in Deutschland und eine von ihnen ausgehende Bedrohung für die Gesellschaft zu. Dabei werden als Gründe für die Radikalisierung schnell gruppenspezifische Stereotypen und Klischees angeführt und tschetschenische Lebensart als unvereinbar mit europäischen Werten dargestellt. Die Projektpartner wollen diese verengte und diskriminierende Sichtweise aufbrechen und bringen dafür Vertreter/innen tschetschenischer Gruppen und Vereine aus Deutschland und Russland mit sozialen und politischen Akteur/innen  sowie Expert/innen beider Länder zu einem fachlichen Erfahrungsaustausch zusammen. Dazu werden Vertreter/innen von Frauenorganisatonen, LGBTIQ, Sportgruppen, Kunst und Kultur, haupt- und ehrenamtliche Unterstützer/innen aus der Flüchtlingshilfe, Soziolog/innen, Mediziner/innen, Jurist/innen, Politiker/innen, Polizist/innen, Imame, Lehrer/innen u.a. eingeladen. Die Konferenz findet im Herbst 2018 in Berlin statt. Sie dient dem fachlichen Austausch über Grenzen hinweg, der Vernetzung der Akteur/innen und der Verständigung über eine langfristige Zusammenarbeit der Beteiligten.

Ziel ist es, über Wissensvermittlung zu Geschichte und Gesellschaftssystem Tschetscheniens und der aktuellen Lage in der Tschetschenischen Republik eine Annäherung an die tschetschenische Diaspora in Deutschland und Russland herzustellen. In den Blick genommen werden zudem die psychosoziale Situation von Geflüchteten, Dynamiken des Migrationsprozesses und nicht zuletzt Hindernisse und Chancen des Ankommens in Deutschland und Russland.

Während der Konferenz wird es eine öffentliche Abendveranstaltung für alle Interessierten geben, auf der die Ergebnisse vorgestellt werden.

Die Projektpartner verfügen über eine ausgewiesene Expertise zu Tschetschenien und tschetschenischen Geflüchteten. Die Leiterin der in Moskau ansässigen Organsiation Migration und Recht, Svetlana Gannushkina, Trägerin des alternativen Nobelpreises 2016, arbeitet seit den 1990er Jahren mit Migrant/innen aus Tschetschenien u.a. Ländern. Ihre Expertise wird regelmäßig beim BAMF nachgefragt. Die Projektleiterin von MEMORIAL Deutschland, Dr. Marit Cremer, forscht seit fünfzehn Jahren zu tschetschenischen Geflüchteten in Deutschland und hat im Herbst ihre zweite Monographie zum Thema veröffentlicht (Angekommen und integriert? Bewältigungsstrategien im Migrationsprozess, Campus 2017). In ihrer täglichen Arbeit stoßen Gannushkina und Cremer auf eine große Nachfrage nach Kompetenzen zum Thema und dem wachsenden Wunsch nach Vernetzung der verschiedenen Akteur/innen.  Bisher ist die Zusammenarbeit unstrukturiert und aufgrund mangelnder Ressourcen nur sehr begrenzt möglich. Das Projekt soll die Grundlage für eine langfristige strukturierte Kooperation legen.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt Deutschland im Rahmen des Programms Östliche Partnerschaft und Russland gefördert.

Projektleiterin: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Jugendprojekt gegen Antiziganismus - "Vorurteile ins Abseits"

 

Ein Bericht von Katya Akopyan und Christina Riek

 

Im Oktober und November letztes Jahres fand unsere deutsch-russische Jugendbegegnung gegen Antiziganismus "Vorurteile ins Abseits!" in St. Petersburg und Berlin statt. Zwanzig Jugendliche aus beiden Ländern diskutierten über die Entstehung von Vorurteilen, Stereotypen und Formen der Diskriminierung. Außerdem beschäftigten sie sich mit der Situation von Sinti und Roma in Russland und Deutschland. Andrei Jakimow (Ethnologe aus St. Petersburg) hielt einen Vortrag über die Geschichte und soziale Lage der Roma in Russland. Mit Anastasia Nekosakowa (Memorial St. Petersburg) wurde darüber diskutiert, wie die Lebensumstände von Roma in Russland verbessert werden können. Maria Musatowa vom Roma Education Fund stellte das Stipendienprogramm ihrer Stiftung für Studierende vor. Mit StipendiatInnen konnten sich die TeilnehmerInnen über das Studium und generell über die Situation russischer Roma unterhalten. Im Rahmen eines Workshops konnten die Jugendlichen ihre eignen Projekte entwickeln und sich Maßnahmen zur Unterstützung von Roma überlegen. Außerdem besuchten die TeilnehmerInnen die gemeinnützige Organisation „Nochlezhka“, die obdachlose Menschen in Sankt Petersburg unterstützt und sich für ihre Rechte einsetzt. Hier diskutierten die TeilnehmerInnen mit Mitarbeiterinnen der Organisation über Diskriminierung und Ausgrenzung, die Personen erfahren, die ohne festes Zuhause leben. Zum Abschluss dieser intensiven Woche lernten die TeilnehmerInnen Petersburg auch noch von der Newa aus kennen und lieben!

In der Jugendbildungsstätte Kaubstraße in Berlin nahmen die TeilnehmerInnen dann die deutsche Gesellschaft unter die Lupe und diskutierten, wie Vorurteile entstehen. In unterschiedlichen Übungen lernten die Jugendlichen, wie und warum bestimmte Gruppen diskriminiert werden.

Sie besuchten das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und befassten sich in der Gedenkstätte Sachsenhausen intensiv mit dem Völkermord. Mit Georgi Ivanov (Amaro Foro e.V.) und Hannah Neumann (Die Grünen) diskutierten die TeilnehmerInnen über aktuell notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von v.a. aus Südosteuropa kommenden Roma. Dotschy Reinhardt (Landesrat der Roma und Sinti RomnoKher Berlin-Brandenburg e.V.) las aus ihrem Buch "Everybody's Gypsy" und berichtete im Anschluss über den Rassismus, der ihr als Sinteza immer wieder widerfährt. Am vorletzten Tag der Begegnung waren die Jugendlichen im Jüdischen Museum, wo sie sich mit jüdischer Kultur und Geschichte sowie mit Migration und Diversität in Deutschland auseinandersetzten. Im Rahmen der Begegnung entstand eine im Studio der "Alten Feuerwache" produzierte Radiosendung, an der alle TeilnehmerInnen begeistert mitarbeiteten. Der Besuch der Kuppel des Reichstagsgebäudes mit Blick über das abendliche Berlin war eines der vielen Highlights dieser spannenden Begegnung!

Die Radiosendung wird gesendet am Ostermontag, 2. April und am Montag, 9. April jeweils um 14 Uhr über Radio Alex und im Live-Stream (https://www.alex-berlin.de/radio/livestream.html).

Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Austausch und Deti Peterburga durchgeführt und von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert.

 

30. März 2018

 

Vorurteile ins Abseits 2016 - Projektbericht

» weiterlesen

Zwischen den Fronten. MEMORIAL Deutschland bei Internationaler Beobachtermission in der Ostukraine

Zwischen-den-Fronten-Ostukraine-2015.pdf

 

Bildungszentrum Nordossetien

» weiterlesen

Fotoausstellung Langes Echo

» weiterlesen

Copyright © 2018 memorial.de. Alle Rechte vorbehalten.
MEMORIAL Deutschland e.V. · Haus der Demokratie und Menschenrechte · Greifswalder Straße 4 · 10405 Berlin
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
Back to Top