Junge tschetschenische Erwachsene stehen sowohl in Europa als auch in der Tschetschenischen Republik und der Russischen Föderation insgesamt unter besonderer Beobachtung. In europäischen Ländern geraten diejenigen in den öffentlichen Fokus, die sozial oder kriminell auffällig werden und dadurch in Kontakt mit unterschiedlichen Behörden kommen. Tschetschen*innen werden von Mitarbeitenden aus der Flüchtlingshilfe in erster Linie mit massiver Gewalt bzw. Gewalterfahrung, von europäischen Medien v.a. mit Islamismus und Radikalisierung in Zusammenhang gebracht.


In der Tschetschenischen Republik wird insbesondere die junge Generation staatlicherseits einem aufwendigen, nach Aussagen von unabhängigen Experten jedoch kontraproduktiven, Präventionsprogramm gegen Radikalisierung unterzogen. Die ohnehin starke soziale Kontrolle, die Tschetschen*innen generell durch ihre Community erleben, wird hier durch eine politische noch potenziert und reduziert private Freiräume auf ein Minimum.
Der Druck in Tschetschenien durch das repressive Regime, wie auch der Stress für geflüchtete Tschetschen*innen in Europa durch die Anforderungen während des Migrationsprozesses setzt zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, den Lebensvorstellungen, Wünschen für die Zukunft und gleichzeitig einen Abgleich mit den tatsächlichen individuellen Möglichkeiten zu deren Realisierung in Gang. Zuschreibungen von Seiten der Gesellschaft wirken hier ebenso, wie Vorgaben in der Lebensplanung durch die Verwandtschaft.


Im Projekt werden je zwölf junge tschetschenische Erwachsene in Deutschland und Tschetschenien zu ihren Vorstellungen über ihr Tschetschenischsein, ihr Verhältnis zur Gesellschaft und ihre Pläne für die Zukunft befragt. Die wissenschaftliche Auswertung der narrativen Interviews vermittelt ein Bild ihrer Identitäten, Perspektiven und Wertorientierungen. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen über die notwendigen Voraussetzungen für eine gelingende gesellschaftliche Teilhabe, aber auch umgekehrt über die Risiken von Radikalisierungstendenzen und Segregation.

Projektleitung: Dr. Marit Cremer

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Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt Deutschland im Rahmen des Programms „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“ gefördert.

Auswärtigen Amt

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