Die Publikation "Ich wollte unbedingt, dass es meine Heimat ist!" Identitäten von Kindern deportierter Russlanddeutscher in Deutschland (Marit Cremer 2018) ist als Download hier erhältlich oder kann über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! für 5 EUR bestellt werden.

Der Kollaboration mit Hitlerdeutschland bezichtigt, wurden die Nachkommen der seit dem 18. Jahrhundert in Russland siedelnden Deutschen während des Zweiten Weltkriegs auf Anweisung Stalins in die unwirtlichen Gegenden Sibiriens und Mittelasiens deportiert. Die überlebten, bauten sich in Nachbarschaft zu anderen deportierten Minderheiten und angestammter Bevölkerung fern der Heimat eine neue Existenz auf. Ihre Kinder wurden hier heimisch, wuchsen jedoch in einer Gesellschaft auf, die ihnen die Schuld an den Opfern des so genannten Großen Vaterländischen Krieges übertrug und sie in vielen Lebensbereichen gegenüber der übrigen Bevölkerung benachteiligte.

Die Kinder der deportierten Russlanddeutschen fanden sich somit in einer Situation wieder, in der ihnen die Zugehörigkeit zur Familie des sowjetischen Vielvölkerstaats – auch nach der Teilrehabilitation der Deutschen 1964 – weiterhin latent abgesprochen wurde. Der Bezug zur Heimat der Eltern, der eine Anknüpfung an die russlanddeutschen Traditionen ermöglicht hätte, war aufgrund des Verbots der Rückkehr in die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete verloren gegangen. Und auch eine Errichtung autonomer Verwaltungsgebiete, die eine Neuorientierung und Auseinandersetzung mit dem zukünftigen Selbstverständnis der Deutschen in der Sowjetunion ermöglicht hätte, wurde ihnen nicht zugestanden.
Wie reagierte die nachgeborene Generation auf diese Umstände? Wo sah sie sich beheimatet? Wie setzte sie sich mit ihrer Identität als Deutsche in der Sowjetunion, deren Nachfolgestaaten und nach der Repatriierung in Deutschland auseinander?
Diese Fragen standen im Fokus eines gemeinsamen Projekts von MEMORIAL Deutschland e.V. mit dem Wissenschaftlichen Informationszentrum Memorial St. Petersburg, in dem die Folgen der Deportation auf die nachfolgende Generation untersucht wurden. MEMORIAL Deutschland erhob dafür biographisch-narrative Interviews mit in Deutschland lebenden Russlanddeutschen und analysierte sie wissenschaftlich. Memorial St. Petersburg zeichnete Videointerviews mit Russlanddeutschen auf, die heute in Litauen und im europäischen Teil der Russischen Föderation leben und von der Möglichkeit der Repatriierung nach Deutschland keinen Gebrauch machten.  

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit von MEMORIAL Deutschland sind in dieser Broschüre dargestellt. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgte nach der Methode der objektiven Hermeneutik. Ein besonderer Dank gilt hier der Berliner Forschungswerkstatt für die fundierte Interpretation zahlreicher Interviewsequenzen.

Das Projekt wurde vom Auswärtigen Amt Deutschland im Rahmen des Programms Östliche Partnerschaft und Russland gefördert.

Auswärtigen Amt

Projektleitung: Dr. Marit Cremer
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