Breite Solidarität mit Dmitriev

Am 13. Dezember wurde der Historiker Jurij Dmitriev, Leiter des Memorial-Verbands in Karelien, verhaftet. Ihm wird „Kinderpornografie“ vorgeworfen, als „Beleg“ dienen Fotos von seiner Pflegetochter, die er aus medizinischen Gründen auf Anraten des Jugendamts angefertigt und in seinem Computer gespeichert hatte.

Drei Tage vor seiner Verhaftung war Dmitriev unter einem Vorwand in eine Behörde geladen worden (ohne ersichtlichen Grund). Nach seiner Rückkehr stellte er fest, dass während seiner Abwesenheit jemand in seine Wohnung eingedrungen und seinen Computer inspiziert hatte. Zwei Tage danach, am 12. Dezember, ging eine anonyme Anzeige gegen ihn ein.

Jurij Dmitriev erforscht seit etlichen Jahren die Geschichte des sowjetischen politischen Terrors in Karelien. Sein Name ist vor allem mit der Gedenkstätte Sandormoch bei Medwezhegorsk verbunden. In dem Waldstück dieses Namens wurden während der Großen Säuberung Tausende von Menschen erschossen, die meisten aus den Solowki, andere auch aus anderen Lagern oder aus der Umgegend. Dank seiner Bemühungen sowie der noch einiger weiterer Forscher konnten die Namen etlicher der Opfer ermittelt werden. Unter dem Titel „Namenslisten von Karelien. 1937-1938“ (Поминальные списки Карелии. 1937-1938) stellte Dmitriev ein Gedenkbuch zusammen, in dem über 13.000 dieser Namen verzeichnet sind.

Dmitriev sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die zahlreichen Appelle zu seinen Gunsten - Petitionen, Unterstützungsbriefe, die auf die Unglaubwürdigkeit und Absurdität der Anklage hinweisen, wiederholte Mahnwachen, zuletzt aus Anlass seines Geburtstages - blieben bisher ohne Gehör.

4. Februar 2017

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