Prozess gegen Jurij Dmitriev

Mediziner treten als Entlastungszeugen auf

Am 1. August fand in Petrosawodsk eine weitere Verhandlung im Prozess gegen den Historiker Jurij Dmitriew von MEMORIAL Karelien statt. Zwei Moskauer Kinderärzte traten als Entlastungszeugen auf. Sie betonten, dass es keineswegs ungewöhnlich, sondern vielmehr eine verbreitete Praxis sei, Kinder zu medizinischen Zwecken zu fotografieren, um ihre gesundheitliche Entwicklung zu dokumentieren, und dass dies von Ärzten immer wieder ausdrücklich empfohlen werde.

 

Der nächste Verhandlungstermin ist für den 22. August geplant. An diesem Tag soll Jurij Dmitriev selbst befragt werden.

 

Inzwischen bekunden immer mehr Personen im In- und Ausland in Videobotschaften sowie schriftlichen Appellen ihre Solidarität mit Dmitriev. Das Menschenrechtszentrum Memorial sieht in ihm einen politischen Gefangenen.

 

Am 5. August findet in diesem Jahr zum 20. Mal eine Gedenkveranstaltung an der Massenhinrichtungsstätte Sandormoch statt, an deren Entdeckung Jurij Dmitriev maßgeblich beteiligt war. Die Feier wird erstmals ohne ihn stattfinden müssen. In der Erklärung dazu heißt es:

 

„In diesem Jahr – seit Beginn des Großen Terrors sind 80 Jahre vergangen – findet der Gedenktag in Sandormoch zum zwanzigsten Mal statt. Aber diesmal wird der karelische Historiker Jurij Dmitriev fehlen – er, der als einer der ersten die Grabstätte entdeckte und mehrere Gedenkbücher der Republik Karelien herausgegeben hat: Er befindet sich seit Dezember 2016 unter einer absurden Anschuldigung in Haft. Die Teilnehmer an den Gedenktagen der vergangen Jahre haben sich aktiv an der breiten öffentlichen Unterstützungskampagne für ihn beteiligt.“

 

4. August 2017