„Die letzte Adresse“ in Archangelsk

Dmitrij Koslov zu 15.000 Rubeln Strafzahlung verurteilt

Dmitrij Koslov hatte im Rahmen des Projekts „Die letzte Adresse“ eine Metallplatte von 11x19 cm zum Andenken an den Schlosser Ignatij Bessonov, einem Opfer Stalinscher Repressionen, an einem Haus in Archangelsk in der uliza Serafimowitscha 35 angebracht. Das Haus gilt als Kulturdenkmal und steht unter Denkmalschutz. Die Einwohner hatten ihr Einverständnis gegeben.

 

Kozlov wurde nach Artikel 7.13 Ordnungsstrafrecht zu einer Zahlung von 15.000 Rubeln (ca. 220 Euro) verurteilt (der Artikel sieht eine Strafe von 15.000 bis 200.000 Rubeln vor).

 

Bei dem Kulturdenkmal handelt es sich indes um eine baufällige Holzbaracke mit teilweise eingestürztem Dach und weiteren Schäden, die als unfallträchtig eingestuft wurde und zum Abriss vorgesehen ist (die Gedenktafel sollte vor dem Abriss abmontiert und auf dem geplanten Neubau erneut angebracht werden). Auf etlichen kommunalen Websites von Archangelsk wird darüber informiert, dass dieses Haus als unfallträchtig gilt - die Bewohner werden derzeit veranlasst, auszuziehen - und zum Jahresende abgerissen werden soll.

 

Dmitrij Koslov wird vorgeworfen, mit der Tafel dem Gebäude einen „irreparablen Schaden“ zugefügt zu haben. Menschenrechtsaktivisten betonen dagegen, nicht die Gedenktafel habe das Haus in seinen ruinösen Zustand versetzt, sondern die jahrelang unterlassenen Reparaturarbeiten.

 

Der Menschenrechtsrat beim Präsidenten hatte sich zuvor an den Gouverneur von Archangelsk, Igor Orlov, gewandt mit der Bitte, es in diesem Fall nicht bis zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen zu lassen.

 

Koslovs Anwalt hat erklärt, dass sein Mandant gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

 

19. August 2017