Bombardierung des Gehöfts Rigachoj - friedliche Einwohner getötet

Gestern, am 13. April 2004, verbreitete das Menschenrechtszentrum "Memorial" die vorläufige Mitteilung: "Am 9. April gegen 14 Uhr Moskauer Zeit sind in dem Bergdorf Rigachoj im Vedensker Bezirk von Tschetschenien nach einem Luftangriff eine Frau, Marit Zinzajewa, und fünf Kinder ums Leben gekommen. Das älteste war sieben Jahre alt. Als das Bombardement einsetzte, versammelte die Frau ihre Kinder um sich, aber die Bombe traf ihr Haus." Diese Mitteilung wurde von einigen Nachrichtenagenturen aufgegriffen, darunter "Interfaks", NEWSru.com, Polit.ru und andere.
Am selben Tag stritt der Pressesprecher der Luftstreitkräfte, Oberst Alexander Drobyschewskij, jegliche Beteiligung an der Tragödie in Rigachoj ab: "Am Freitag sind in dieser Region Russlands keine Bomber aufgestiegen." "Die diesbezüglichen Mitteilungen einiger russischer und ausländischer Massenmedien sind völlig falsch." (ITAR-TASS, 13.4.2004).
Heute, am 14. April, waren Mitarbeiter von "Memorial" am Ort des Geschehens. Nach präzisierten Informationen fand am 8. April tagsüber, zwischen 14 und 14.30 ein Bombenangriff auf den abgelegenen Berghof Rigachoj im Vedensker Bezirk statt (eine der Bomben trug die Nummer 350 F 5-90). Infolge des unmittelbaren Einschlags in das Haus Imar-Ali Damajews kam fast seine ganze Familie ums Leben: seine Frau - Maidat Kudusovna Zinzajewa, geb. 1975, die Kinder - Dshanasi, geb. 1999, Sharadat, geb. 2000, Umar-Chashi, geb. 2002, Sara, geb. 2003, Sura, geb. 2003. Wie gewaltig die Explosion war, geht daraus hervor, dass auch die Schafe und das Pferd der Familie getötet wurden, die sich außerhalb des Hauses befanden. Dank eines glücklichen Zufalls blieben der Vater der Familie, Imar-Ali, und der siebenjährige Sohn Umar am Leben: Ersterer war gerade auf dem Friedhof, wurde aber Zeuge der Bombardierung, und letzterer war im Nachbardorf in der Schule.
Nach Aussagen der Dorfbewohner trafen am 13. April gegen 10 Uhr Mitarbeiter der Militärstaatsanwaltschaft und der Vedensker Staatsanwaltschaft in Hubschraubern ein. Nach oberflächlicher Untersuchung des Orts des Geschehens erklärten sie, es habe sich um die Explosion einer Landmine gehandelt. Ein Grund zur Einleitung eines Strafverfahrens bestehe nicht.

In den letzten zehn Jahren haben die Vertreter der russischen Machtstrukturen immer wieder versucht, ihre Beteiligung an Bombardierungen und Artilleriebeschuss tschetschenischer Siedlungen abzustreiten und behauptet, "dass sie sich selbst in die Luft jagen". Im vorliegenden Fall sprechen die Umstände klar gegen solche "Versionen". Wir hoffen, dass die Tragödie in Rigachoj sorgfältig untersucht und die Schuldigen bestraft werden.

Quelle: russischer Nachrichtenserver von MEMORIAL