Russische Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und Vereinigungen ehemaliger KZ-Häftlinge, Ghetto-Insassen, ehemaliger Zwangsarbeiter und minderjähriger Häftlinge des Faschismus haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben auf auf die bevorstehende Schließung der „Stiftung für Verständigung und Versöhnung“, der russischen Partnerorganisation der Stiftung Erinnerung, Verständigung und Zukunft (EVZ) hingewiesen.
Anfang Oktober hatte der Aufsichtsrat der Stiftung mitgeteilt, dass auf einer Sitzung beim Vizepremier der russischen Regierung Zhukov am 29. September entschieden worden sei, die Stiftung umgehend zu liquidieren und alle von ihr durchgeführten Programme einer nicht genannten NGO zu übertragen.
Diese Pläne haben bei den Opfern des Nationalsozialismus „tiefe Besorgnis“ ausgelöst. Angesehene Vertreter internationaler, russischer und regionaler Häftlingsverbände beklagen, dass die Regierung keine Lösung gefunden habe, um eine organisatorische Struktur zu erhalten, die eine in ihrer Art einzigartige Kooperation der Völker Russlands und Deutschlands ermöglicht habe. Dies könne nicht wiedergutzumachende Folgen haben. Durch den Verlust des Dokumenten-Archivs überlebender Opfer gehen unschätzbare Erinnerungen verloren; zudem werden damit die Programme der EVZ beendet, die der jungen Generation in Russland Verantwortungsgefühl gegenüber den Opfern des Zweiten Weltkriegs vermitteln und der Bewahrung des historischen Gedächtnisses, der Entwicklung antifaschistischer pazifistischer Überzeugungen dienen sollten.
Die Vertreter der einschlägigen gesellschaftlichen Gruppen haben sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt mit der Bitte, die russische Regierung auf die kritische Situation aufmerksam zu machen. Sie erinnern daran, dass eine Schließung der Stiftung es auch unmöglich machen wird, die am schwersten betroffenen Opfer des Zweiten Weltkrieges weiterhin zu unterstützen, nämlich die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen, die von der Stiftung EVZ offiziell keine Entschädigungszahlungen erhalten haben. „Diese Personen – die Soldaten des Zweiten Weltkriegs – haben Schwerstes durchgemacht – die faschistischen Konzentrationslager für Kriegsgefangene, die sie nach der Rückkehr in die Heimat gegen die Stalinschen Lager eintauschten. Heute sind diese Personen 90 Jahre und darüber, sie leben in den abgelegensten und ärmsten Regionen Russlands, ohne qualifizierte medizinische und soziale Versorgung“, heißt es in der Erklärung.
Moskau, 28.10.2010
Quellen: http://www.asi.org.ru/ASI3/rws_asi.nsf/va_webpages/331B1038B3FA06ABC32577CA003750FFRus
http://hro.org/node/9351
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